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Doris Knechtder doris-knecht-blog: geschriebenes, gefundenes, beschwerden, einwände, trost, rat, lob, tadel und was sonst so anfällt. aus: falter, kurier, presse, profil, tagesanzeiger, anderswo und der werkstatt.
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 moblog  picture - 17. June 2008 08:08 
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Loos raus, Leben rein

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Zu wissen, dass man Glück hat

4. Feb.

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"Frechheit, diese Forderung!"

2. Feb.

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Aber dann bleibt doch wieder nur das Sudern.

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Und jetzt die Bagger

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08.02.10

Der Preis der Unschuld

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Was kostet die Unschuld? Eben noch sahen wir den österreichischen Waffenlobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly verhaftet und im grauen Jogginganzug in London, schon trägt er wieder eleganten Wams und ist ein  freier Mann. Das kommt vor. Nur liegt zwischen zwei derartigen Bildern üblicherweise ein rechtsstaatliches Verfahren. In diesem Fall genügte eine Überweisung, um aus einem Verdächtigen einen Unschuldigen zu machen: 34 von insgesamt 328 Millionen Euro zahlt das Rüstungsunternehmen BAE Systems im Zusammenhang mit Mensdorff-Pouilly an die britische und die amerikanische Justiz dafür, dass alle Ermittlungen eingestellt werden und BAE Systems weder Korruption noch Bestechung eingestehen muss. Denn genau das hätte den Rüstungskonzern  vom wichtigsten Rüstungsmarkt der Welt, dem amerikanischen,  final ausgeschlossen.
„Die gesamte Operation des Bestrafens hat sich mit außerjuristischen Elementen und Personen aufgeladen. Man könnte sagen, dass daran nichts Ungewöhnliches ist, da das Recht nun einmal fremde Elemente zu absorbieren pflegt“, schrieb der französische Philosoph Michel Foucault 1975 in seinem  Werk „Überwachen und Strafen“. „Funktion und Rechtfertigung der Kriminaljustiz liegen heute nur mehr in diesem ständigen Bezug auf etwas anderes als sie selber, in ihrer ständig erneuerten Integration in nichtrechtliche Systeme.“

Ökonomisierung statt Auslöschung. Im 21. Jahrhundert heißt das nichtrechtliche System, das sich jetzt offenbar ungeniert auch die Justiz einverleibt: Ökonomie. Die Londoner Börse habe, hieß es anderntags in den Medien, erleichtert auf den Handel zwischen Rüstung und Justiz reagiert. Thank God.
Wir haben uns längst daran gewöhnt, dass sich die meisten gesellschaftlichen Institutionen ökonomischen Bedingungen unterzuordnen haben – beziehungweise ihre Ökonomisierung ihrer Auslöschung wohl oder übel vorziehen. Sport, Kultur, Charity, Medien: Ohne Sponsoren, ohne Finanziers geht nichts mehr; weil das eine, da der Staat als Subventionsgeber immer mehr ausfällt, überhaupt nur mehr durch die anderen stattfinden und existieren kann. Und dass es nichts umsonst gibt, dass Investition und Einfluss nun einmal  Schwester und Bruder sind, haben wir längst akzeptiert. Vor allem die, deren Arbeitsplätze davon abhängen.
Aber die Justiz? Nun ja: Die 34 Millionen Euro, derentwegen Alfons Mensdorff-Pouilly in Großbritannien unangeklagt bleibt, dienen, wie es heißt, wohltätigen Zwecken in Tansania. Wer wollte da etwas dagegen haben? Jetzt einmal außer Herr und Frau Durchschnittsbürger, die sich ihre Unschuld nicht so einfach kaufen können und auch über keine amikalen Kontakte innerhalb der Justiz verfügen, durch die ja hierzulande schon auch einmal belastende Akten weggezaubert werden. Wie wird die österreichische Justiz nun mit Mensdorff-Pouilly verfahren? Sein Anwalt glaubt: gar nicht. Wir Durchschnittsbürgerinnen harren gespannt.

06.02.10

Es gibt auch andere

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Heute: kleiner Exkurs über das Es-gibt-auch-andere-Problem. Denn als ich Anfang der Woche kritisierte, dass manche Hundebesitzer sich nicht an die Gesetze halten, rüttelte ich damit nicht nur erfolgreich am Watschenbaum, sondern wurde auch dafür gescholten, dass ich nicht erwähnt hätte, dass es auch brave  Hundebesitzer gibt.
Richtig. Die Frage ist nur: Muss man das? Existiert ein dialektischer Kodex, der vorschreibt, dass jede Kritik an einer zufälligen Gruppe verpflichtend zu ergänzen ist mit der  Feststellung, es existiere aber auch deren Gegenteil?
 Wenn jetzt zum Beispiel kritisiert wird, dass eine Hundezeitschrift gegen den Hundeführerschein mobil macht, in dem sie auf Flyern Welpen mit einem gelben, sechszackigen Stern versah, um  nach Protesten zu behaupten, die Ähnlichkeit mit dem Judenstern sei rein zufällig: Muss dann extra erwähnt werden, dass nicht alle Hundefreunde so ruch- und hirnlos sind? Nein, weil die meisten Hundehalterinnen und Hundehalter an derartige Entgleisungen nicht einmal anstreifen wollen. Und weil sie keine homogene Gruppe mit Solchen und Solchen sind, sondern weil halt zufällig Solche Hunde halten und Solche auch.
Genauso wie auch Hohlköpfe gerne Ski fahren, und trotz eindringlichster Lawinenwarnungen gerade extra abseits der sicheren Pisten fahren. Und derart nicht nur ihr Leben, sondern auch das Dutzender  Helfer in Gefahr bringen: Muss da extra dazugesagt werden, dass die meisten  Schifahrer das nicht tun? Kann man, muss man aber nicht. Ein gemeinsames Merkmal schafft noch keine gemeinsame Identität. Skifahrer, Hundebesitzerinnen, Politiker, Homosexuelle, Autofahrerinnen, Asylwerber: Solche und Solche, da wie dort.

Boboville
Boboville - Residenz Verlag

04.02.10

Loos raus, Leben rein

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Ja, gut! Das Café Ritter und das Café Museum sollen gerettet werden.
Denn die Kaffeehäuser: die sind ein substanzieller Teil des Wiener Lebensgefühls. Alles da, in so einem Kaffeehaus. Und eine Institution, die nur in Wien  funktioniert, aber da perfekt. Und solche Kellner, wie die typischen Wiener Kaffeehaus-Ober, werden in anderen Ländern ja auch gar nicht hergestellt. Und auch wenn man manche ob ihrer Arroganz verflucht, sie gehören irgendwie zum kaffeehäuslerischen Lebensgefühl: Fühlen Sie sich wohl, aber bitte nicht zu sehr.
Interessant ist, dass es überhaupt nicht funktioniert hat, das Café Museum wieder im Looschen Original-Format herzurichten. Die Gäste des 21. Jahrhunderts nahmen das nicht an.
Was ein Signal sein sollte für die Zukunft des  Kaffeehauses, ach, für Wien: Loos war wegweisend für Wien, aber Loos ist schon ziemlich lange tot. Und wenngleich es wichtig ist, das Gute zu bewahren: Das kann auch zu Stumpfheit führen. Und nicht jeder Wind, der den Looses und Hoffmanns und Wagners entkam, ist  in Wien des 21. Jahrhunderts noch funktionell.
Vor allem: Es kommt neues Wegweisendes nach. Was es in Wien aber traditionell schwer hat, weil man hier – Dutzende international gefeierte und in Wien ignorierte Architekten können davon ein Wienerlied dudeln – gern irrtümlich glaubt, man schütze  die Tradition am wirksamsten, indem man neues Gutes und Richtiges, ja für die Gegenwart Besseres und Richtigeres verhindere. Ein Irrtum, der zu Versteinerung führt und zu historisch korrekter Leblosigkeit. Und,  siehe Café Museum, zu einem Kaffeehaus ohne Gäste.
Dort will man  jetzt behutsam wieder Leben hineinbringen. Was für ein Kaffeehaus doch wichtiger ist, als 100 Prozent original Loos.
03.02.10

Zu wissen, dass man Glück hat

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Als ich das Fenster aufmache, steht vis a vis ein Mann auf dem Dach und grüßt freundlich. Er steht einfach nur so auf dem Ziegeldach eines fünfstöckigen Hauses, Hände in den Hosentaschen, und blickt in die blaue Luft. Die Sonne scheint, während gleichzeitig ein paar Schneeflocken zwischen den Häusern tanzen. Es ist schön.
Heute früh habe ich mich mit einem Schweizer Freund unterhalten, während der weit über den Hafen von Hongkong schaute, durch das Fenster seines Hotelzimmers. Er schrieb in seinen Computer, ich in meinen. Es geht ihm gut. Er war weit weg und er war nah, und es war schön.
Wenngleich ich müde war, gestern habe ich wieder Musik aufgelegt in meinem alten Stammlokal, und wie immer – die Gäste liefen  trotzdem  nicht davon – nur das, was ich augenblicklich für die beste Musik der letzten 70 Jahre halte. Und davon gibt es viel. Es war schön, sehr schön. Und das ist Glück, irgendwie.
Das ist auch Glück: Dass es verlässlich Frühling werden wird.  Eine Aufgabe im Leben haben.  Mit dem Taxi durch die stille nächtliche Stadt nach Hause fahren. Kinder, die quietschend an der Tür vorbeirennen. Menschen, die einen in der Bim grundlos anlächeln.
Eine Meinung haben zu dürfen. Diskutieren, streiten können. Zu wohnen. Freunde zu haben, die einem „Wo-bleibst??“-Smse schicken. Und kritisieren. Und korrigieren. Und da sind. Etwas tun zu dürfen, was einem Freude macht.  Musik, die einen versteht. Literatur, die einen schweben lässt. Filme, die einen lachen machen. Zu wissen, dass man Glück hat.
Der Mann  steht jetzt nicht mehr auf dem Dach, er hat etwas repariert und war dann plötzlich weg. Aber die Sonne scheint noch, und es ist schön.

02.02.10

Ich bin irgendwie keine Rampensau.

| Comments (0) | 02/10 | Falter-Kolumne

Es hat auch Vorteile, wenn die Kinder weg sind. Also, wenn dieser Scheiß-Bus endlich abgefahren ist. Bis dieser Bus abgefahren ist, mit den Kindern darin, die unununbedingt ins Schilager wollten, aber jetzt ihre Entscheidung schluchzend bereuen, durchläuft man allerdings den puren Höllen-Horror. Ich habe von Vätern gehört, die während dieser zwanzig Minuten final ergrauten. Es war so entsetzlich, dass schließlich mehrere Eltern am Gehsteig auf die Knie fielen und den Busfahrer händeringend anflehten, sein Gefährt endlich in Bewegung zu setzen. BITTTTEEEE! Die Qual ist UNERTRÄGLICH! Und wurde leider dadurch verlängert, dass manche Eltern noch ein achtes Mal in den Bus stiegen, um ihre Kinder zu beruhigen, was selbstredend den gegenteiligen Effekt hatte. Bittebittebitte, ich halt das nicht mehr aus, fahrt endlich! Als der Bus dann um die Ecke war, gaben sich die Eltern High Five und begannen umgehend, die ersten Stationen ihres lange vorbereiteten Halligallis abzuarbeiten. Der Lange und ich zum Beispiel gingen sofort wieder ins Bett, schoben am helllichten Tag GewaltDVDs ins Gerät, bestellten Pizza und Bier und ließen uns so grauslich gehen, wie wir es in der Prä-Mimi-Epoche jedes Wochenende getan hatten.

 

Leider verließen wir dann in der Dunkelheit noch einmal das Haus. Es hat auch Nachteile, wenn die Kinder weg sind, man geht fahrlässig zu vorher schlecht recherchierten Veranstaltungen und trinkt dort zuviel, anstatt wie gewöhnlich beim „Tatort“ einzuschlafen. Weshalb man anderntags dann müder ist als vorgesehen. Zudem hat der Lange nicht wie üblich um halb acht mit den Kindern das Haus verlassen, sondern liegt um halb neun noch neben einem im Bett und formuliert, während man gerade verzweifelt Kolumnenthemen aus dem Internet kratzt, Sätze wie diesen: „Du kommst mir ein bissl vor wie Elvis in Vegas.“ Ja, dankeschön! So fängt man den Tag gerne an! Kommt zurück, Kinder!

 

Allerdings war ich auch Elvis in Vegas, als die Mimis noch da waren. Palmetshofer, Heavy Trash und dann auch noch im Schauspielhaus Popismus predigen mit meinem alten Zürcher Nachbarn, Reverend Tobi Müller. Was interessant, aber insofern irritierend war, als wir vor 150 Leuten anfingen und vor 15 aufhörten. Während das Publikum in großen Trauben den Saal verließ, erhielt ich unablässig SMS vom lustigen Fotografen und vom lustigen Verleger, ich solle dalli im Dings erscheinen. Ich smste, ich könne nicht, ich säße auf einer Bühne und verrichte Erwerbsarbeit. „schleich dich runter von der bühne!“, smste der Fotograf, und das hätte ich gerne gemacht, beziehungsweise ich hätte mich gerne sub Bühnenboden verkrochen. Ich bin nicht geschaffen für die Bühne, ich bin lieber Publikum. Als Publikum bin ich, wie die Menschen, die ich beim Heavy-Trash-Konzert im Flex mit Bier beschüttete, bestätigen werden, richtig gut. „Is uuuuuuuu I want!“ Yes, Jon Spencer, yes, yes, yes.

 

02.02.10

"Frechheit, diese Forderung!"

| Comments (1) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Seit gestern früh wurde ich mit folgenden Attributen belegt: „dumm“, „faschistoid“, „volksverhetzend“ und natürlich „Hundehasserin“. Ich hatte („Frechheit, diese Forderung!“) darauf gedrungen, dass Hundehalter sich an die bestehende Gesetze halten. Und dass die Exekutive einschreiten möge, wenn sie es nicht tun.
„Hat Ihnen schon einmal jemand gesagt, was Sie für einen Sch... schreiben?“, schreibt Leserin Lisi L. Leser Thomas J. fordert die Einstampfung aller meiner Bücher.  Alexander F. formuliert wörtlich, dass „immer mehr Hass und Aggression von widerlichen tierfeindlichen Gutmenschen und Dummmenschen gegen jegliche Art von Tierhalter in dieser Stadt entfacht wird wie in den guten alten Zeiten als die Tierhalter noch die Juden waren“. Lassen Sie mich das präzisieren: Der Leser vergleicht die Kritik an Hundebesitzern, die ihre Hunde frei und ohne Maulkorb herumlaufen lassen, mit der Vernichtung von sechs Millionen Menschen. Entschuldigung: Das ist ein ungeheuerlicher Vergleich.
Allerdings offenbar unter manchen Hundehaltern üblich, nicht nur in Wien: eine Berliner Freundin berichtete mir von Berliner Hundebesitzern, die im Zuge der Debatte über ein Verbot gefährlicher Hunderassen ihren Tieren Judensterne anhefteten.
Zum Glück gibt es auch Hundehalter, die nicht mit religiösem Fanatismus auf Vorschläge reagieren, die das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Hunde optimieren könnten. Herrl  und Frauerl H. sind ebenso meiner Meinung wie Hundebesitzerin Alexandra W., und es sei hier wieder einmal gesagt: Die meisten Hundebesitzer gehen verantwortungsvoll mit ihrem Tier um.
Aber manche eben nicht. Und es sollte erlaubt bleiben, das zu kritisieren.
01.02.10

Passiert eh nichts

| Comments (0) | 02/10 | Kurier-Kolumne

Eh klar, sind nicht die Hunde schuld. Es liegt an den Besitzern, es liegt immer an den Besitzern, wenn etwas passiert. Wenn ständig wieder etwas passiert.
Schon geht es los mit der Fragerei: Wie gehen wir damit um? Tolerieren wir, dass immer wieder etwas passiert? Legen wir das in der Schublade mit den minderen,  überschaubaren Risiken des Alltags? Oder in die mit den intolerablen Vergehen?
Wir haben Gesetze, an die Hundebesitzer sich zu halten haben: Die Pflicht, das Tier artgerecht zu halten. Leinenpflicht, Beißkorb-Pflicht, die Pflicht, die Hinterlassenschaften ihrer Hunde von öffentlichen Plätzen zu entfernen. Nur: Man nimmt es nicht immer so genau. Unter anderem deshalb, weil, wie man aus nebenstehender Geschichte erfährt, die Polizei nicht wirklich willig sei, sich um Hundehalter zu kümmern. Die Gefahr, belangt zu werden, ist also eher gering.
Wo sich  die steuerzahlende, von unangeleinten Hunden bedrohte Autorin eben mal fragt: Ach ja? Darf sich die Polizei aussuchen, gegen welche Gesetzesbrecher sie gerne vorgeht und gegen welche nicht? Gibt es in den Wachzimmern eine Liste von Lieblingsverbrechen, um die man sich gerne kümmert sowie von Vergehen, über die man hinwegsieht? Zur Erinnerung: Es geht hier um Gesetzesverstöße mit mitunter tödlicher Konsequenz.
Was das Vertrauen der Bevöllkerung in seine Kontrollorgane nicht eben stärkt. Und schon gar nicht das Schuldbewusstsein der  Hundehalter: Denn was nicht bestraft wird, ist wohl auch nicht richtig verboten.
Auch deshalb bin ich  eine entschiedene Anhängerin des Hundeführerscheins. Damit Hundehalter wenigstens einmal erfahren, was sie dürfen. Und was sie müssen.




30.01.10

Mit große Dinger fahren

| Comments (0) | 01/10 | Kurier-Kolumne

Nachdem die österreichischen Töchter sich jetzt wiederholt belehren lassen mussten, es gäbe beileibe wichtigere Probleme, als sie in die Bundeshymne aufzunehmen, wollte man sie jetzt zum Bundesheer locken. Mit Hilfe eines Werbespots, der die emanzipatorische Zurückgebliebenheit Österreichs ungeheuer drastisch dokumentiert. Und dessen aufdringliche Amateurhaftigkeit so viel Hohn und Spott auf sich zog, dass das Heer das Video umgehend wieder aus dem Netz nahm.
Man kann den Spott-Spot aber auf youtube – Stichwort: Bundesheer 4U – anschauen und tausendfach auf Facebook, wo er begeistert und fassungslos kolportiert wurde. Und das Anschauen lohnt sich: Allmächtiger!
Wem fällt so etwas ein? Wer schreibt so etwas? Wer nimmt so etwas ab? Wer gibt so etwas frei? Und wer bezahlt so etwas? Die ukrainische Armee. Das österreichische Bundesheer hat den dilettantischen Schwachsinn dann einfach  nur noch praktisch eins zu eins nachgedreht. Dabei sah schon das Orignal so aus, als hätte der geistesgestörte Neffe eines Generals nach seinem Rausschmiss aus Filmschule  und Werbe-Praktikum dringend eine Beschäftigung gebraucht. Waren wir in der Evolution nicht eigentlich schon  ein ganzes Stück weiter? Wenn man sich den Bundesheer-Spot anschaut, bekommt man daran starke Zweifel.
Schon die Idee hinter dem Film ist betörend paradox: Die Erhöhung der Frauenquote im Bundesheer mit den Mitteln des Sexismus. „Wir wollen mit große Dinger fahren!“ ruft eine der vier Frauen, die am Ende einem Panzer hinterherlaufen. Wenn man das gesehen hat, ist man ehrlich dankbar, dass man nur in der Bundeshymne nicht vorkommt. Denn wir haben viel schlimmere Probleme, stimmt.
28.01.10

Endlich Fasching

| Comments (0) | 01/10 | Kurier-Kolumne

Opernball ist auch schon bald. Ich gehe auch heuer nicht hin, beziehungsweise wie immer in Jogginghosen und Patschen, via TV. Dafür habe ich mich auf einen maskierten Gschnas einladen lassen: Allerdings hatte ich einen unaufschiebbaren Termin vergessen und erspare mir damit auch heuer, mich in ein Flugbegleiterinnenkostümchen aus 100 Prozent Polyester zu zwängen oder mich als Stehlampe zu verkleiden.
Immerhin: Meine Entscheidung, mich ausnahmsweise in lustiges Gewand zu hüllen, hätte ich zumindest eigenmächtig gefällt. Während Legionen bedauernswerter Verkäuferinnen und Verkäufer auch heuer wieder mit lustigen Hütchen,  Perücken und Clownnasen zwangsentstellt werden. Und mit „Hossa-hossa“-Partymusik beschallt – obwohl, das war ja geradezu würdevoll im Vergleich zu dem, was heutzutage als lustige Musik gilt.
Immerhin, die Leute könnten argumentieren, dass, leider, für heuer keine Faschingskostüme mehr erhältlich seien, weil die Geschäfte jetzt Bademoden und Grill-Party-Bedarf im Sortiment führen, ist ja logisch. So wie ich letzte Woche erst im dritten Laden Kinder-Skihosen auftrieb, was Körbe voller So-gings-mir-auch!-Mails zeitigte. Denn es gibt unter den Leserinnen und Lesern offenbar zahlreiche Nulpen wie mich, die ebenfalls nicht  im Spätsommer ihren Skibedarf erwarben: Leser Martin H. brauchte deshalb jetzt drei Tage und sieben Geschäfte, bis er eine Skihose für seine Tochter fand.
Während Leserin Petra K. schon im November keine Skianzüge mehr für ihre Kinder auftrieb. Aber sie hat einen guten Tipp für alle, die auch jetzt noch keine haben: Gehen Sie in die Second-Hand-Läden. Dort gibt’s merkwürdigerweise im Winter noch Wintersachen.
27.01.10

Genug gefroren! (II)

| Comments (0) | 01/10

Selber schuld!, ruft Leserin Ursula K. Selber schuld, wenn ich immer noch fröre, denn meine gestrigen Tipps, zumindest die kulinarischen, seien nicht nur unbrauchbar, sondern sogar kontraproduktiv. Ich behauptete nämlich, heiße, scharfe Suppe und Ingwer-Tee wärmten mich. Frau K. sagt nun, derlei bewirke exakt das Gegenteil, denn Ingwer und Chili öffneten die Poren und trieben den Schweiß aus dem Körper, was kurzfristig den Anschein der Erhitzung erwecke. Danach friere man allerdings umso mehr, denn die Kälte dringe ungehindert in die offenen Poren ein. Aha. Der längerfristigen Körper-Erwärmung von innen dienten dagegen die schon von den Großmüttern überlieferte Brennstoffe: lange im Ofen gebratenes Fleisch, ausführlich gekochte Suppen und Eintöpfe. (Es ist das Schöne an meinem Beruf, dass man stets sofort freundlich belehrt wird, wenn man Unsinn geschrieben hat.) Trotzdem wird die gestrrige Liste der Wärmungen hier fortgesetzt, schließlich soll es heute bis zu minus 20 Grad Celsius kalt werden. Schepper. Wogegen ich, auch wenn das vermutlich wieder Einbildung gewesen sein wird, schöne thermische Erfolge erziele mit der Aufnahme kleiner Serotonin-Mengen, a.k.a. Schokolade. Und mit der Lektüre von Himalaya-Dramen. Und mittels Kuschelns mit den Kindern. Auch perfekt: Mit dem Fahrrad durch den Schneematsch radeln, welcher dabei unter das vordere Schutzblech gedrückt und dann wie aus einer Schneefräse gegen die Schienbeine geschleudert wird, im zwingenden Verbund mit sofortigem anschließendem Abtauchen in einer dampfend heißen Wanne. Leider macht das Verlassen derselben den Aufheizungseffekt schlagartig wieder zunichte). Wahrscheinlich hilft nur am Ende der Lenz. Und der wärmt sich noch auf.
26.01.10

Es deuchte mich, Geschichte wehe mich an

| Comments (0) | 01/10 | Falter-Kolumne

Tatsächlich hat der Lange, glauben Sie es oder nicht, die Lesben von vis a vis kürzlich beim Sex beobachtet, während er zum Fenster hinausrauchte. Die, die nie Pornos schauen. Hat er mir erst nach Lektüre der letzten Kolumne erzählt. Dabei waren, wie immer, die Schlafzimmervorhänge zu, aber einer zufällig im richtigen Winkel offen stehenden Tür und daraus resultierenden Spiegelungen verdankte der Lange eine Sichtung, deren Einzelheiten ich dann nicht so genau wissen wollte. Das Leben imitiert wieder einmal die Kunst; nein, die Kolportage. Sonst habe ich diese Woche nichts zu erzählen, auf Wiedersehen.

Doch, ich habe die Bühnenhemden der Fehlfarben gesehen. Das hat mich merkwürdig berührt. Die Hemden hingen an der Wand eines Ateliers, und ich hätte sie gerne fotografiert, so wie sie da hingen, habe mich aber nicht getraut. Auch nur zu fragen, wäre mir wie ein Sakrileg vorgekommen. Es deuchte mich, Geschichte wehe mich an, und zwar eine, die erst gemacht wird, wenn die Fehlfarben bald ihr neues Album "Glücksmaschinen" live vorspielen. Ich habe es schon, Peter Hein hat es mir geschenkt. Hein sitzt übrigens heuer in der Jury des Protestsongcontests, was, weil ich mir keinen denken könnte, der dort mit größerer Berechtigung säße, der substantielle Grund ist, warum ich doch auch wieder dort sitze. Obwohl ich mir und jedem, der es hören wollte, ein knappes Jahr lang schwur, dass ich mir das gewiss nicht mehr antue, hundertausendprozentig nicht. Weil, wozu? Damit der junge Mensch mir wieder seinen Mittelfinger präsentieren kann? Ich habe auch andere schöne Hobbies, dankeschön; zum Beispiel backe ich einen ausgezeichneten Kärntner Reinling, und Faschingskostüme für die Kinder sind leider auch wieder zu nähen. Ich könnte dabei die kollossale neue Fehlfarben hören, die mir Peter Hein geschenkt hat, ja.

Beziehungsweise ich würde, wie ich voreilig zugesagt habe, auf die Faschingsparty von der Fischer gehen, gemeinsam mit Anna im knappen Flugbegleiterinnen-Kostümchen, das verpasst die Welt jetzt leider auch, und ich werde stattdessen nach Mitternacht in der Verkleidung eines zart angeflaschelten Protestsongcontestjurymitglieds erscheinen, wenn alle anderen schon lustig sind und ich nur ausgebuht. Ich habe mir den Anschiss von der Fischerin und der Anna schon abgeholt, wobei die Anna nur noch resigniert geseufzt hat: sie wurde jetzt schon wiederholt Opfer meiner nachlässigen Kalenderführungspolitik. Und es ist auch nicht das erste Mal, dass ich vergesse, dass am 12. Februar immer und immer am 12. Februar Protestsongkontest im Rabenhof ist, und ich natürlich trotz gegenteiligsten Geschwörs erneut da oben auf meinen Stühlchen sitzen und Punkte vergeben werde, selbstverständlich wie stets an die falschen, jaja. Aber diesmal wird Peter Hein neben mir sitzen, dort in der Politdisko, und das Leben wird die Kunst angrinsen und die Kunst wird zurückgrinsen, und es wird gut sein, ja, es wird.
26.01.10

Genug gefroren!

| Comments (0) | 01/10 | Kurier-Kolumne

Zuerst die gute Nachricht: Die P.S.K. kassiert keine Gebühren mehr für Haiti-Spenden. Noch am Tag, an dem hier diese Praxis kritisiert wurde, traf ein Mail der P.S.K. ein: Es sei bereits beschlossen worden, wie schon bei früheren Spenden-Gelegenheiten auf die Gebühren zu verzichten. Die bereits verrechneten Entgelte würden den Erdbeben-Opfern gespendet. Sehr gut. Und jetzt die schlechte: Mir ist kalt. Ja, völlig richtig, nach der Eröffnung ist das nicht nur ein minderschweres, sondern ein vollumfänglich marginales Problem. Dennoch: Mich friert. Was tun? Hmm. Warme Musik hören; Dylan vielleicht, „Blood On the Tracks“ vielleicht, oder die schönen Bootlegs auf „Tell Tale Signs“. M. Ward oder Ryan Adams. Ryan Adams geht immer, Bright Eyes auch. Mark Olson und Gary Louris, Cat Power, Beirut, und, weil es gar so bitter kalt ist, „April Come She Will“ von Simon & Garfunkel und „America“. Und die neue Tindersticks. Und die neue Get Well Soon. Und die neue Robert Rotifer. Und die neue Richard Hawley; und die alte. Und alles von Ann Peebles. Und alles von Al Green. Und heiße, scharfe Suppe essen. Und literweise Tee mit Ingwer trinken. Und sich nicht zu jung dafür sein, eine Wärmeflasche auf dem Bauch zu plazieren. Und Lammfellpatschen tragen, was heißt: Lammfellstiefel, über die von der Mama gestrickten Socken. Und unter die Decke kriechen. Und Urlaubsfotos anschauen, aber nicht die von der Hundeschlittentour am Polarkreis, sondern die mit den fetten, grünen Almen. Und die mit dem warmen, blauen Meer. Und die, auf denen man die Hitze so richtig flimmern sieht. Und überhaupt an den Sommer denken, und an noch etwas Schönes. Wird schon wärmer; ja, wird schon wärmer.
25.01.10

Herein, die Töchter

| Comments (0) | 01/10 | Kurier-Kolumne

Die Bundeshymne: Ist das nicht das Lied, das Fussballer bei Länderspielen gemeinsam nicht singen, weil sie es nicht können?  Für ein Lied, das ein Großteil der östereichischen Bevölkerung nicht kann, ist die Bundeshymne in den letzten Tagen ganz schön auffällig geworden: Wegen der Töchter, die man jetzt dazugedichtet hat, und die Christina Stürmer dazusang. Große Aufregung, Klagsdrohung, Skandal: Wobei mir der Umstand, dass Stürmer – im Auftrag des Bildungsministeriums – die österreiche Bundeshymne in radikalem Preussendeutsch intontiert, weitaus skandalträchtiger zu sein scheint.
Doch wenn im Zusammenhang mit der Bundeshymne schon so erbittert über das Wie gestritten wird, kann man auch gleich einen Schritt weitergehen, und nach dem Ob fragen.  Nämlich, ob etwas derartiges wie ein gemeinsames National-Lied heutzutage überhaupt noch eine Bedeutung hat. Und wenn ja für wen. Moooment, nein, ich will hier keineswegs die Abschaffung der Bundeshymmne anregen. Aber wem gehört das Lied? Und was soll es bezwecken?
Es gehört allen Österreicherinnen und Österreichern und  soll ihr Gemeinschaftsgefühl wecken und stärken. Was natürlich eine weitere Frage aufwirft: Ob das von einem Lied nicht eh zu viel verlangt ist. Aber wenn man es schon verlangt, dann wäre es doch überaus hilfreich,  das Lied so zu formulieren, dass  sich alle Mitglieder der identitätssuchenden  Gemeinschaft darin  vorfinden.
 Also, bitte, lasst die Töchter herein. Und lasst auch die Chöre in der letzten Strophe freudig – bzw. freud’g – statt nur brüderlich erklingen. Dafür motschgern wir auch nicht am „Vaterland“ herum, versprochen.
23.01.10

Skihosen? Jetzt?!?

| Comments (0) | 01/10

Natürlich ist das hirnlos. Natürlich hätte eine wirklich patente Mutter ab August die entsprechenden Prospekte sondiert, und wäre an einem warmen September-Morgen um halb acht vor dem Diskonter gestanden. Wäre dann entschlossen zu den Wühlkörben mit den frisch eingetroffenen Sachen marschiert und hätte gekauft, was man Kindern im Spätsommer kauft: Skiihosen, Skiunterwäsche, Skibrillen und Skihandschuhe. Und Sturmhauben.
Diese Mutter hier  hatte dagegen im November noch darauf gehofft, dass ihre Kinder auch dieses Jahr kein gröberes Interesse für das Skifahren entwickeln. Diese Mutter ist nämlich der Ansicht, dass Skifahren etwas für Leute vom Land ist, während Stadtmenschen u. a. deshalb im dicht verbauten Gebiet leben, weil sie sich und ihren Kindern das hinternerfrierende Rutschen über vereiste Hänge ersparen wollen.
Diese Mutter also ging gestern, nachdem ihre Kinder sich entschlossen hatten, das Schifahren im Semesterferien-Skilager dennoch zu erlernen, in die Filiale eines Sportausstatters, um die erwähnten Sachen zu erwerben. Und wurde dort  entgeistert angeblickt. Skihosen?? Ski-Unterwäsche?? Um diese Jahreszeit? Äh, exakt, ist das nicht Schnee, da vor dem Fenster? Und liegen nicht die Semesterferien, in denen alle außer mir skifahren gehen,  noch vor uns? Ja; trotzdem, gibts nicht mehr.
Im dritten Laden, in dem die Mutter, weil es dort auch keine Schihosen gab, der freundlichen Kassierin ihr Leid klagte, erinnerte die sich daran, dass sie in der Früh in einem Karton in einer Ecke des Lagers doch etwas Kinder-Skihosenartiges erblickt hatte... Warten Sie, ich schau Ihnen gleich. Und sie  fand und brachte.  Danke. Obwohl es ja  eigentlich schon Sommer ist.
21.01.10

Fehler, Fehler, Fehler

| Comments (0) | 01/10 | Kurier-Kolumne

Kaum jemand, der jetzt noch nicht für die Erdbebenopfer in Haiti gespendet hat. Leser Werner M., wollte das auch und beteiligte sich an der KURIER-Caritas-Spendenaktion. Er ging zur PSK und überwies seine Spende an die Caritas, und was erlebte er dabei? Dass die PSK-Bank von Werner M.s Spende  tatsächlich 55 Cent Gebühren einbehält. Bzw. er die 55 Cent extra bezahlte. Die Frage, ob das ernst gemeint sei, wurde Herrn M. positiv beschieden: was ihn empört. 2004, nach der Tsunami-Katastrophe, verzichtete die Bawag-PSK  auf Gebühren auf Spenden. Es ist schwer zu begreifen, dass sie nun am Leid der Opfer der Katastrophe von Haiti etwas verdienen will.
Harscher Themawechsel. Denn ihrer Autorin sind in den vergangenen Tagen zwei Fehler unterlaufen, ein lässlicher und ein peinlicher. Fehler Nr. eins: Bei dem  Werkzeug, das der FPK-Chef am Ende des Parteitags in Händen hielt, handelte es sich, wie zahlreiche Leserinnen und Leser anmerkten, nicht um eine Spitzhacke, sondern um einen Eispickel, im Verein mit einem Hanfseil ein Symbol für Kamerad- und Seilschaft. Kann allerdings, wie die Geschichte beweist, ebenfalls zur Waffe umgedeutet werden; siehe Trotzki.
Der zweite Fehler unterlief mir bei meiner Tatort-Kritik, die unter der Leserschaft erbitterte Ablehnung und euphorische Zustimmung hervorrief und  nichts dazwischen.  Der Konschtanz-Tatort, Sie erinnern sich: ich behauptete, die Schauspieler schwäbelten unerträglich. Das ist nun ein mörder peinlicher Fehler für eine, die aus eben der Gegend – halt von rechts unterhalb des Bodensees – stammt und also, genauso wie die Bewohner von Konstanz, eine Alemannin ist. Wenn das bloß meine Mutter nicht erfährt.
19.01.10

Aber dann bleibt doch wieder nur das Sudern.

| Comments (1) | 01/10 | Falter-Kolumne

Jetzt schaue ich abends beim Abwaschen immer Lesbenpornos. Gegenüber sind zwei eindeutig zusammengehörige Damen eingezogen und der Fernseher steht wieder da, wo er schon stand, als noch eine alte Frau dort lebte, die immer Kinderfernsehen sah. Die ist wohl jetzt im Heim, und ich schaue beim Abwaschen immer Lesbenpornos, und brauche fürs Abwaschen eine Stunde. Boah. Da schau. Manchmal komme ich aber gar nicht dazu, weil der Lange eine Stunde lang genau aus diesem Küchenfenster rauchen muss; dabei haben wir einen Balkon, aber nein, dieses Fenster muss es sein. 

Gar nicht wahr. Ich wollte nur, wie letztes Mal leichtfertig angekündigt, mehr Sex ins neue Jahr bringen; es wird aber doch wieder nur das Sudern und das Streiten übrigbleiben. In Wahrheit tragen die Lesben von gegenüber immer Jogginghosen und sehen den ganzen Tag amerikanisches Sportfernsehen, ununterbrochen, sogar wenn sie gar nicht zu Hause sind.Sie haben einen Mops, der ist so fett, dass er für den Weg zwischen der Couch und der Tür 18 Sekunden braucht, ich habe einmal mitgezählt, aber nicht während des Abwaschens, sondern während ich darauf wartete, dass das Teewasser kocht. Wir haben eine Spülmaschine, ich wasche eigentlich selten ab. Nur, dass der Lange, das Lulu, aus diesem Fenster raucht, stimmt, was ich total unsportlich finde. Wer rauchen kann, kann auch am Balkon frieren, habe ich bitte fast den ganzen letzten Winter gemacht, bis ich das Rauchen aus div. Gründen wieder aufgab, u.a., weil  mich der Lange, der jetzt immer zum Fenster hinaus raucht,  mit seinem ständigen Genörgle genervt hat, weil ich schon wieder rauche, hatte ich nicht eben gerade geraucht? Ja. Und?!? 

Heuer streiten wir ersatzweise darüber, dass ich zu oft vor dem Computer sitze und sonntags immer arbeite, ja, Entschuldigung, damit verdiene ich nun einmal mein Geld. Und darüber, dass ich abends vor dem Einschlafen keine Filme sehen will, in denen Frauen und Kinder niedergeballert werden, eigentlich will ich überhaupt nie mehr Filme sehen, in denen Frauen und Kinder niedergeballert werden, weshalb ich auch in Zukunft von dem Wissen ausgeschlossen sein werde, wofür genau Christoph Waltz den Golden Globe bekommen  hat. Ich möchte lieber nur noch warmherzige, gutgläubige Filme sehen wie Woody Allens "Whatever works", der sich in jede aufgelegte Pointe schmeißt und sich darin wälzt, wie eine verspielte Sau in einem warmen Schlammloch, was natürlich  irgendwie nur bei Woody Allen funktioniert und lustig ist. Und wo am Ende die Schöne den Schönen abkriegt und der Schwule den Schwulen und die Künstlerin zwei Künstler und der Suderant die Nette, und der ist dann sogar so etwas ähnliches wie glücklich.Schön. So will ich das, und natürlich hat der Lange nur gesudert, wie wir wieder aus dem Kino raus sind, kein Geballere nichts, aber ich habe gar nicht hingehört.

14.01.10

Da isser, fremd schaut er aus

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Die Debatte um Eberau und die Inhaftierung von Asylwerbern hat wieder einmal gezeigt, wie dringend es ein Staatssekretariat für Integration und Asylfragen braucht. Im Innenministerium von Maria Fekter sind diese Themen nicht gut aufgehoben: Fekters Umgang mit Asylwerbern nimmt immer deutlichere Züge echter Feindseligkeit an. Sie geht so leidenschaftlich aggressiv gegen Asylwerber vor, dass man sich allmählich fragt, ob das noch professionell ist.
Oder ob ein Asylwerber ihr persönlich etwas angetan hat: Vielleicht hat sie ja den, der ihr damals das Handtaschl gefladert hat, eindeutig als Asylsuchenden identifiziert, und anstatt effizient gegen die Einbruchskriminalität loszugehen, müssen jetzt Asylwerber daran glauben.
Lenkt erstens von den wenig dekorativen Resultaten bei der Einbruchsbekämpfung ab. Ist zweitens viel einfacher, wenn sich der Gegner nicht versteckt, sondern man ihn vorführen kann: Da isser, fremd schaut er aus. Und es hat drittens einen viel höheren Populismusquotienten, denn es ist ja doch angenehmer, wenn man in der Pressestunde mit originellen Ideen auftrumpfen kann, als wenn man in der ZiB2 keine hat, wie man  etwa mit den Einbrechern fertigwerden soll.
Fekter kriminalisiert sehr erfolgreich die Asylsuche als solche und denunziert damit relevante, international anerkannte Asylgründe wie etwa politische Verfolgung. Bei jenen Volksgruppen, die nur einfache Botschaften verstehen, kommt das natürlich gut an; Asylwerber böse: passt. Ist so schön einfach. Versteht jeder. Braucht man nix differenzieren.
Es braucht dringend ein Ressort für Asylfragen, das Asylpolitik wieder ojektiviert.  Dringend.
13.01.10

Aggressive Publikumsvertreibung

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Auf der Suche nach gutem TV stieß ich am Sonntag irrtümlich auf „Im Zentrum“. Kurz hineingeschaut, viele rechte Herren erblickt, die über ihre Probleme mit sich selbst und untereinander redeten, und gleich erkannt: Ah, der ORF will mich nicht. Folgsam weitergezappt und dann aufgegeben, ich habe ja eh gerade ein großartiges Buch in Lektüre: Edward St. Aubyns „Muttermilch“, wo es zwar ebenfalls um Männerprobleme geht, aber um solche, die mich interessieren.
Warum macht sich der ORF die Mühe, eine teure Sendung auszustrahlen, deren mittlerweile einziges Ziel die aggressive Publikumsvertreibung zu sein scheint? Baba! Alle! Vor allem: Pfiat eich die Madln! Braucht’s ja nicht.
Ein paar „In Zentrum“-Ankündungen der letzten Monate:  „Sonderfall Kärnten: Haiders Erben auf dem Weg in die Sackgasse? Es diskutieren u.a. der Kärntens Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ), Wirtschaftsexperte Gottfried Haber und Christian Rainer (Profil)“. Oder: „Über die aktuellen Turbulenzen bei der AUA diskutieren Niki Lauda (angefragt), Flugunternehmer, Alfred Junghans, AUA-Betriebsrat und ÖIAG-Aufsichtsrat, Mario Rehulka, der ehem. AUA-Vorstand und Präsident des Österr. Luftfahrtverbandes, Kurt Hofmann, Luftfahrtexperte, Hans Schmid, ehem. AUA-Aktionär.“ Oder: „Österreichs Wirtschaft bricht ein - leichte Hoffnung erst für 2010. Es diskutieren  Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), Leiter des Wirtschaftsforschungsinstituts Karl Aiginger und Johannes Kopf (AMS).“
Wecken Sie mich bitte morgen um 6 Uhr 20. Oder ich schalte um auf den „Columbo“ am Einser. Sogar der ist zuverlässig spannender als „Im Zentrum“.
12.01.10

Ich tendiere jetzt mehr Richtung würdelos

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Es ist bisher nicht leiser geworden im neuen Jahr. Nicht ruhiger, nicht vernünftiger, nicht gescheiter. War ja aber auch gar nicht vorgesehen. Gab ja keine guten Vorsätze, gar nichts, ein paar Pläne vielleicht, aber mehr auf langfristig angedacht, man muss ja nichts überstürzen jetzt, ne. Ist ja eh noch das ganze Jahr für alles Zeit.

 Ich bin allerdings froh, dass ich gerade zwei Staffeln „Californication“ am Stück gesehen habe, was ich als, sagen wir, Jahresleitbild durchaus brauchbar finde: Exzess und Ernsthaftigkeit; Kompromisslosigkeit, Koitus und Commitment. Deppert reden, nett zu seinen Freunden sein, ausdrücklich leben, lieben, eine Meinung pflegen, die Kinder liebhaben. Schreiben, Schwimmen, Suff, Sex, Sinnsuche, Suderei, super Sound und schönes Wetter. (Ich sagte: Leitbild, ich habe nichts von unreflektierter, konvergenter Übernahme gesagt, und, ja sowieso ist die Reihenfolge verhandelbar.) Daneben natürlich Klimaschutz, Alliteration, Nachhaltigkeit, Pingpong, Fekter-Watch, Gemüseanbau, Tartes-Tatin-Bäckerei und weitere Themen, die in „Californication“ eher unterrepräsentiert sind.

 Und auch wenn ich unter keinen Umständen in dieses dumme Bobobashen einstimmen werde: es treibt mich derzeit eher ein bissl weg vom Boboistischen, also ich tendiere jetzt mehr Richtung würdelos. Es liegt nämlich, behaupte ich, Stolz in der Würdelosigkeit, das ist kein Paradoxon. Auch wenn, schmecks, sich ein paar Leute aus dem Nichtraucherteil vom Wetter, eh auf lustig, beschweren, dass wir zu laut lachen und brüllen, überhaupt die lautesten seien. Asso, ihr seids das, ist ja typisch! Ja, wir sind das! Und typisch sind wir eigentlich gern, und außerdem kamen gerade alle aus unterschiedlich besinnlichen Weihnachtsferien zurück und müssen jetzt gemeinsam das neue Jahr anschieben, auf dass es allmählich in Gang komme. Es ist viel zu tun! Und, bitte, ich fand, in dieser Gesellschaft an diesem Ort kam es auf hohem Niveau in die Gänge.

 Ja. Und erst unlängst habe ich mir beim Sedlacek gedacht: Er ist zwar ziemlich oft ein blödes Arschloch, und manchmal auch ein echt peinlicher, egomanischer Sack, aber er ist zumindest nicht langweilig. Wir waren, das war noch vor Weihnachten, auf einer Party, und draußen vor der Tür standen ein paar relativ unblöde und unarschlochige Männer beieinander, mit denen man sich ja durchaus gern ein wenig unterhalten hat, auf dem Weg zum Klo und retour, aber drinnen, am Tisch und auf der Tanzfläche mit Sedlacek, dem blöden Arschloch, war es um Häuser unlangweiliger. Weil Sedlacek die Kunst beherrscht, sich einen Dreck um sein öffentliches Ansehen und seinen Ruf zu scheren, wenn es die Situation erfordert, was mir, apropos "Californication“, ein überaus sinnvolles Lebenskonzept zu sein scheint: Jetzt gerade auch abseits von Partys, und ich will es mir für 2010 hinter die Ohrwaschl schreiben.

12.01.10

Na, die ist irreparabel

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Am 19.5. 2006 bezahlte Klara K. – sie hat die Rechnung noch – dem freundlichen Herrn vom Waschmaschinen-Service 64,80 Euro für die Mitteilung, ihre Waschmaschine sei defekt. Und jetzt? Irreparabel defekt, da müssen Sie wohl eine neue kaufen. Ja, bravo. Am 29.5.06 wurde – Klara K. hat den Lieferschein noch – eine neue Elektra Bregenz Waschmaschine geliefert; Kaufpreis 499 Euro, inklusive Liefer-Zuschlag und Altgeräte-Rücktransport: 558,79 Euro.
Letzten Freitag, am 8.1. 2010, erschien ein Elektra-Bregenz-Techniker, griff in die Maschine, drehte die Trommel zwei Mal rundherum, blickte traurig und kassierte – Klara K zürnt noch immer über der Rechnung – 85,20 Euro für die Auskunft „Lager defekt, Reparatur unrentabel“. Natürlich wurde Klara K. nicht einmal ausgelacht, als sie bei der Service-Abteilung von Elektra-Bregenz anrief, sich über die  Halbwertszeit ihrer Waschmaschine beschwerte und fragte, was man da zu tun gedenke. Ja, nichts natürlich, die Gewährleistung war doch längst abgelaufen. Kulanz? Was für eine Kulanz?
Ja, eh klar, war ein Versuch. Aber hielten Waschmaschinen, fragt sich Klara K., früher nicht 15, 20, ja manchmal 30 Jahre lang durch? Warum tun sie das heutzutage nicht mehr? Und warum sind Reparaturen so teuer, dass sie sich für die Kunde niemals rentieren, so dass man die Trümmer jedes Mal abtransportieren, wegschmeißen und entsorgen muss?
Am 9.1. bezahlte Klara K. für die neue Waschmaschine (anderer Hersteller, na sicher), Lieferung und Anschluss 437,99 Euro. Den Lieferschein wird sie – man wird sehen, wie wenige Jahre diesmal – sicher verwahren. Auch wenn es sowieso keinen Sinn hat.

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